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Statement Dr. Manfred Scholle zur Initiative "Länger gemeinsam lernen"

Statement Dr. Manfred Scholle zur Initiative "Länger gemeinsam lernen"

Meine Damen und Herren,
ich möchte das Gesagte meiner Vorredner nicht wiederholen, auch bin ich kein Bildungspolitiker oder Pädagoge, der nun weitere Facetten der Debatte mit Worten auskleidet.
Zum einen sitze ich hier zunächst aus persönlicher Überzeugung, denn als ich das Konzept "Länger gemeinsam lernen" las, erinnerte mich das an meine Grundschulzeit in Berlin, die auch heute grundsätzlich zwei Jahre länger dauert, als in NRW. Was ich immer schon für viel vernünftiger hielt als eine Selektion nach der 4. Klasse. Das vorliegende Papier greift natürlich viel weiter, doch der Grundsatz, so lange wie möglich gemeinsam zu lernen, erinnert mich an diese eigene positive Erfahrung.

Zum anderen sitze ich hier auch als ein Vertreter der Unternehmen in diesem Lande, die Verantwortung übernommen haben und weiterhin übernehmen, indem wir Jahr für Jahr Jugendliche in den Unternehmen und Betrieben ausbilden. Ob in gewerblichen oder kaufmännischen Berufen, Unternehmen sind das Herzstück der beruflichen Ausbildung. Darum ist es wichtig und richtig, etwas zur Entwicklung des Schul- und Bildungssystems zu sagen.

Ich unterstütze die Initiative, weil sie vor allem sagt: Hört auf, euch ideologisch die Köpfe einzuschlagen - fangt an, die Fakten Ernst zu nehmen und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln.

Denn:
Die Unternehmen in diesem Land brauchen gut ausgebildete Schülerinnen und Schüler:

Zum einen Schulabsolventen, die ein Studium abschließen können, um hoch qualifizierte Berufe ausfüllen zu können;

zum anderen Schülerinnen und Schüler, die auf die berufliche Ausbildung vorbereitet wurden, so dass eine Qualifizierung in den Betrieben nahtlos angeschlossen werden kann.

Dabei geht es bei allen nicht nur um gute Noten in Mathe, Englisch und Deutsch, sondern auch um Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Toleranz und Konfliktmanagement und Lernbereitschaft, ohne die man heute und morgen in einem Berufsleben unter den Bedingungen der Globalisierung nicht bestehen kann.

Wir kennen alle die demografische Entwicklung in diesem Land, wir wissen, welche Aufgaben die kommenden Generationen zu schultern haben.
Darum ist es auch ein ökonomisches Interesse eine Schule zu haben, die diesen Aufgaben gerecht wird. Wir brauchen mehr Abiturienten und keine Schüler ohne Abschluss. Klar ist für mich, spätestens seit den Ergebnissen der Pisa Studie, dass unser bisheriges System es auch mit Korrekturen nicht schaffen wird, die Problematik zu lösen. Wir sind mit unserem gegliederten System in Europa nicht mehr wettbewerbsfähig. Das gefährdet unseren Wirtschaftsstandort, aber auch die Zukunft unserer Kinder. Warum arbeiten wir nicht nach dem Prinzip: "Von den Besten lernen"?

Dass die Stellung des Elternhauses über den schulischen Werdegang entscheidet, ist schlichtweg ein Skandal. Ich sehe dies auch vor der internationalen Wettbewerbsfähigkeit dieses Landes, denn wir werden zunehmend auch um ausländische Fachkräfte werben müssen und da sind Bildungsmöglichkeiten des Nachwuchses ein erheblicher Faktor.

Ich möchte noch auf einen anderen Aspekt kommen, der mir unlängst in einer Münsterländer Gemeinde zugetragen wurde. Dort existieren alle Schulformen, absehbar ist aber, dass die Schülerzahl - vor allem der Hauptschule - zurückgeht. Der dortige Bürgermeister hat angesichts der Lage einen Antrag gestellt, die Haupt- mit der Realschule zusammenzuführen, um einen regelgerechten Schulbetrieb aufrecht halten zu können.
Müsste hier nicht eine Genehmigung selbstverständlich erteilt werden?

Hier bin ich wieder bei meinem Ausgangspunkt: Wir können uns keine ideologischen Auseinandersetzungen mehr erlauben, auch aus ökonomischen Gründen. Alle Verantwortlichen haben sich zusammen zu setzen, um völlig neue Wege zu gehen. Darum unterstütze ich als Person und als Vertreter der ausbildenden Unternehmen die Initiative der evangelischen Kirche in Westfalen.

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